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GP VALENCIA

DEUTSCH

Jorge ist Vizemeister, Simon Weltmeister und Alex Debon Meister der Herzen im letzten Rennen. Schöner, spannender und abwechslungsreicher hätte die Saison eigentlich nicht zu Ende gehen können.

Rückblickend gesehen war diese Saison des Moto GP, genau so wie die beiden anderen Klassen, sehr spannend. Es ist natürlich einigermaßen schade, dass Casey Stoner gesundheitsbedingt aussetzen musste und nicht die ganze Saison durchfuhr. Wer weiß schon was passiert wäre, wenn der Australier die Leistung, die er in den letzten Rennen gebracht hat durch die gesamte Saison hätte ziehen können? Ob dann Valentino erneut Weltmeister geworden wäre und ob nicht Lorenzo als Sieger aus dem Dreikampf gegangen wäre? Hätte ... wäre... ist aber nur aus Luftblasen die zwar warm sind, aber nicht mal durch Seifenhaut geschützt werden.

Fakt ist, dass Jorge Lorenzo dieses Wochenende Vize-Weltmeister geworden ist! Das mag nach einer Saison, in der für ihn alles möglich war, zuerst einen leicht bitteren Geschmack haben, aber in Wahrheit ist das genau das was Jorge sich als Optimal-Ziel vor der Saison setzte. Man darf nicht vergessen, der Mann ist gerade mal 22 Jahre alt und fährt mit einem Jahrhundert-Talent, das Valentino Rossi unbestritten ist, beinahe auf Augenhöhe. Man nimmt das immer so locker hin wenn Jorge einen Sieg nach dem anderen feiert aber in Wahrheit ist jede Millisekunde die er Valentino abnimmt eine Art Ritterschlag seines Könnens.

Nicht umsonst ging ein Satz von Valentino Rossi durch die Weltpresse, der einem ein wenig die Augen öffnet was wirklich hinter den Türen von Yamaha los ist. "Yamaha muss sich nach der Saison 2010 für einen von uns beiden entscheiden. Ich werde nicht eine Maschine mitentwickeln, die auch mein größter Gegner fährt." Es scheint logisch, Rossi ist dafür bekannt sich sein Bike genau so herzurichten, dass es möglichst einfach zu fahren gilt. Nicht umsonst betitelte mal ein österreichischer Journalist Rossi ehemalige Weltmeister-Honda als "bestes Motorrad aller Zeiten". Besagter Journalist hatte die Gelegenheit die Honda nach einer Saison zu testen und bestätigte, dass die Maschine von einem 5-jährige gefahren werden kann da sie so einfach und angenehm zu pilotieren war. Rossi wird nicht im selben Nest mit der heranwachsenden Königsviper sitzen bleiben. Blöd wäre er...

Nur was ist die Lösung? Sich auf eine Rakete mit defekter Steuerung, wie die Ducati eindeutig ist, zu setzen und von vorne anfangen? Casey kann das, der Mann hat Talent. Wahrscheinlich mehr als fast alle anderen im Fahrerlager, so etwas einfach hinzunehmen und das Bike zu reiten als wäre es ein wildes Pferd das erst zugeritten werden müsste. Die anderen Ducatifahrer (PRAMAC eingeschlossen) sind sicher keine Eier aber der Vergleich aus jeder einzelnen Kurve heraus zeigt, dass Stoner schon ein wirklich feines Händchen für seine Maschine hat. Die anderen 3, und das beinhaltet einen Weltmeister, Nicky Hayden der sich langsam irgendwie mit diesem Ding arrangieren kann aber immer noch regelrecht von der Maschine gefahren wird und nicht umgekehrt, kämpfen im Schweiße ihres Angesichts mit diesem Monster.

Oder Honda? Erstens war Rossi schon dort und zweitens fehlt dort einfach eine starke Hand im Team-Managment. Honda wirkt irgendwie wie ein großer Dampfer der auf hoher See führerlos versucht, irgendwo Land zu finden. Ab und an finden sie eine Insel, aber Festland ist noch lange nicht in Sicht. So bleibt eigentlich im Moment nur die Option Yamaha und mit der Viper im Nest weiterzumachen. Das Problem ist, dass Lorenzo, immer noch ein Lehrling, noch lange nicht ausgelernt ist.

Der Vergleich von Leonardo da Vinci und Michaelangelo drängt sich hier auf. Einerseits haben wir das von allen geliebte Genie, das alle Klasse beherrscht und allseits als unantastbar angesehen wird. Man glaubt der Höhepunkt einer Kultur ist durch seine Person erreicht, besser, so scheint es, kann es nicht werden. Plötzlich erscheint aber ein junger Geist dessen Potential noch lange nicht erschlossen ist, auf Augenhöhe mit diesem Genie. Das stört natürlich beide Seiten immens und führt zu einer Konkurrenz untereinander, die seinesgleichen sucht. Zwei so gewaltige Kräfte die aufeinander prallen sind sehr, sehr selten. Schlussendlich fanden beide auch nebeneinander ihren Platz in der Geschichte. Wobei jeder auf seine ganz eigene Art und Weise der Geschichte seinen persönlichen Stempel auftrug. Es bleibt einem jeden selbst überlassen für welches Genie man sein Herz hergibt, aber es ist unbestreitbar, dass beide eines sind.

Genau so wie diese beiden alten Meister werden diese beiden Fahrer, und das traue ich mich hier sagen, immer Bestand haben. So weit Jorge vor groben Verletzungen verschont bleibt. Weil das, und das soll hier auch nicht unbehandelt bleiben, ist bei Jorge eine Gefahr. Diese Saison ist er größtenteils verschont geblieben aber was letzte Saison geschah hinterließ mehr als ein paar Spuren auf Jorges lädiertem Leib. Der Mensch als solcher hält ja einiges aus. Manche lassen sich von Autos überfahren, andere fallen ein paar Stockwerke runter und überleben, aber solche herben Abflüge wie Lorenzo sie teilweise hinlegt, sind grenzwertig. Hierbei lässt sich nur hoffen, dass Jorge keine Langzeitschäden davon erhält und weiterhin solche grandiosen Rennen fahren kann.

Das letzte Rennen machte Jorge zum Vize-Weltmeister, und das ist größte Lob für einen Fahrer der derzeit sicher der hellst leuchtende Stern am Motorradhimmel ist. Trotz eines Pedrosa, der blasser und blasser wird. Trotz Stoner, der genial, aber ebenso labil ist und trotz/wegen eines Rossi der sich aufbäumen kann wie er will aber schon rein biologisch einfach ein Ablaufdatum hat und nicht mehr ewig Bestand haben wird.

Was bringt die nächste Saison? Erstens wird die 250er-Klasse eingestampft und gegen die Moto2-Klasse getauscht. Es kursieren Gerüchte, dass der 1000er Motor in die MotoGP-Klasse zurückkehren soll. Dieses Thema wird aber erst behandelt wenn es wirklich so weit ist. Weiter werden es ein paar echt heiße Feuer in die nächstjährige Moto-GP schaffen. Erstens und allen voran ein unglaublicher Sympathieträger, Marco Simoncelli, von manchen, und das nicht nur haartechnisch, als Nachfolger eines damals auch ziemlich haarigen Italieners mit Faible für Neon gehalten wird. Mal sehen ob man überhaupt in solchen Schuhen stecken will. Weiter folgt Ben Spies, seines Zeichen Superbike-Weltmeister, nach. Der junge Ami hat’s richtig dick hinter den Ohren. Durch eine Wildcard durfte er in Valencia am Start sein. Ein siebter! Platz bestätigt sein Talent. Noch nicht klar ist, ob auch Hiroshi Aoyama der Weltmeister aus der 250er Klasse ein Bike bekommt, es scheint aber sehr wahrscheinlich zu sein.

Lässt sich nur hoffen, dass aus all den guten Vorgaben eine spannende neue Saison herauskommt. Bis dahin alles Gute und break your limit!

ENGLISH

Glancing back this MotoGP season was as fascinating as the other categories. Fact is that Jorge Lorenzo became vice World Champion! This seems to be a bit bitter after a season in which anything was possible for him, but this was exactly Jorge`s goal at the beginning of this season. We should not forget that that this guy is mere 22 years young and almost rides on the same eyesight along with a talent of the century, Valentino Rossi. Doubtlessly. One might take for granted whenever Lorenzo celebrates one victory after another, but in truth each tiny second taken away from Valentino is a sort of sword fight between knights showing his huge talent.

Not in vain there was a sentence by Valentino Rossi running throughout the world press opening one`s eyes about what is really going on behind Yamaha`s doors: “Yamaha are to decide between the two of us after the season 2010. I will not cooperate in the development of a machine which will be used by my fiercest adversary”.

However, what is the solution? To ride on a defective rocket as the Ducati, for sure, and to start from scratch? Casey is able to do this, this guy is talented.

Or Honda? Firstly, Rossi has already been there and secondly, there is a strong hand in the team management missing. The problem is that Lorenzo, still an apprentice, has not reached his top.

The comparison between Leonardo da Vinci and Michaelangelo is suitable. On the one hand, we have the beloved genius with all his class, untouchable, at the pinnacle of a culture. Suddenly, a young spirit whose potential has not been exploited yet, on the same eyesight of the genius.

The same these two old masters will have eternal presence, these two riders will enjoy the same admiration as long as Jorge keeps away from serious injuries which is an enormous danger as we could see this season.

The last race proclaimed Jorge as vice World Champion and this is the highest praise for a rider who, for the time being, is the most shining star in the motorcycling heaven. Despite a Pedrosa who is turning paler and paler. Despite Stoner who is superb, but also unstable and despite/ because of a Rossi who can fight back, but his biological clock runs against him.

What will the next season bring? Firstly, the 250ccm category will become Moto2. There are rumours stating that the 1000ccm engine is to return to MotoGP.

Let us hope that all good intentions will turn into an exciting new season. Till then: All the best and break your limits!



GP MISANO

DEUTSCH

Eine Geschichte über Misano, die Nummer 46 und warum Valentino Rossi trotz Sieg noch lange nicht aus dem Schneider ist.

San Marino das Wochenende um den 6. September. Es ist heiß und windig. Geographisch gesehen liegt der Grand Prix von San Marino ganz nahe von Rimini einer der größten Partystädte Italiens, ungefähr 100km von Bologna entfernt. Offiziell ist es der Heim Grand-Prix von Valentino Rossi und Ducati Racing. Es scheint also so als ob man kaum an einem anderen Ort tiefer in die italienische Seele hineinsehen könnte. Wo sonst findet man, außer vielleicht in Monza, so viel nord-italienischen Glanz und Glorie auf einem Haufen. Das ganze gepaart mit sizilianischem Verkaufsgeschick einem, jeden noch so unbedeutenden Euro, aus der Tasche zu ziehen. Es ist also ein delikates Stück Land.

An diesem Sonntag wurden insgesamt mehr als 55.000 Zuseher gezählt und es scheint nicht übertrieben wenn man sagt das wohl auch drei oder vier Marco Melandri- oder Alex de Angelis-Fans darunter gesichtet wurden. Mindestens 54.996 Zuseher traten also in leuchtgelb mit einer Nummer 46 auf. Es wirkt als ob man in einem Meer aus gelbtönen versinkt. Gepaart mit einem Hauch leuchtorange ergibt das einen ziemlich krassen visuellen Eindruck wenn man dem, für ein Wochenende ausgesetzt ist. Es laufen Doktoren in "The Doctor" Mänteln umher, bankangestellte Bierleichen die von oben bis unten Rossi gebrandet sind. Gruppen von Menschen der unterschiedlichsten Herkunft vereinen sich um einem Ziel zu folgen. Rossi auf den ersten Platz zu tröten. Die Nummer 46 auf Shirts, Kappen, Hüten, Hosen Pullovern (trotz Hitze), Schuhen, Fahnen, Transparenten, Kartons, Stickern, Motorrädern, Autos, Häusern, Raststationen, Vorgärten, Zelten, einfach überall scheint nur diese eine Zahl zu existieren.

Die Nummer 99 dagegen erscheint nur ganz selten und das meistens auf einem Shirt irgendeines Mädchens das sich in Jorge verschaut hat. Dieses Mädchen wirkt wie ein technischer Fremdkörper zwischen all dem gelben Comic-Wahnsinn der sich darum abspielt. Sonst wird Jorge völlig totgeschwiegen und ignoriert. Wie ein drohender Hurrikan der morgen den ganzen Landstrich verwüsten soll. Doch heute ist diese Gefahr noch nicht an unsere Stadtmauern gekommen und solange sie dort nicht eintrifft wird darüber auch nicht gesprochen. So lange noch nicht klar ist wie stark die Wucht der Zerstörung diese Burg treffen wird soll auch kein Wort darüber fallen. Noch ist alles heil.

Die Rossi Fans wittern die Probleme die Jorge mit sich bringt. Er, als Person, ist für sie nicht verständlich, nicht durchschaubar und vor allem nicht kalkulierbar. Er ist kein Biaggi, den man frustrieren konnte. Er ist kein Gibernau, der sich Biegen ließ. Auch kein Hayden, der ein fettes Bike braucht das sonst niemand anderer bändigen kann und vor allem ist er kein Pedrosa, der sich selbst ins abseits stellt. Jorge ist am ehesten noch mit Stoner als Rivalen vergleichbar. Nur, und das ist genau der springende Punkt, hat Lorenzo ein viel größeres Ego als Stoner. Jorge steckt nicht zurück, nicht einmal wenn er in einem Meer aus gelb unterzugehen scheint und ihm das gelbe Wasser bis zum Hals steht. Dieser Mensch gibt nicht auf. Und das Spüren die Rossi-Fans. Es verkrampft und beklemmt sie.

Das ist das große Mirakel das Jorge, für sie, mit sich bringt. Die Zuseher spannen die Lippen bis sie weiß werden sobald er nur eine schnellere Bewegung bei der Pressekonferenz macht weil sie sofort einen nicht abschätzbaren Angriff wittern. Sie beten leise Rosenkränze sobald Jorge, Rossi auf der Strecke zu nahe kommt. Beschwören Pedrosa doch um Gottes willen durch zu halten und Jorge zu blockieren. Haben panische Augen wenn Lorenzo tiefer und schneller aus einer Kurve schießt als Rossi es je könnte und verfluchen Pedrosa wenn er keine Chance hat diese Macht zu bändigen. Das kostet auf die Dauer Substanz.

Obwohl Rossi einen ungefährdeten Heimsieg herausfuhr und obwohl er seine gewohnten Späße auf dem Podium trieb war die Stimmung doch nicht so entspannt wie sie hätte sein sollen. Nicht ganz so zufrieden wie es sonst immer war verließen die Zuseher nach dem Rennen die Tribünen und schauen mit Sorgenfalten nach Estoril wo das nächste Rennen stattfindet und Jorge Lorenzo letztes Jahr seinen ersten Moto-GP Sieg herausfuhr.

ENGLISH

A story about Misano, the fu figure 46 and why Valentino Rossi, despite his victory, has not overcome the hill.

San Marino, the week end of September 6th. It is hot and windy. Geographically speaking, the Grand Prix of San Marino is nearby Rimini, one of Italy‘s major party spots. Officially it is Valentino Rossi`s and Ducati Racing’s local Grand Prix. With the exception of Monza, you will never encounter that much Italian shine and glory. It is a delicate area.

On this Sunday more than 55.000 spectators were counted, and it is not exaggerated to state that perhaps among them were 3 or 4 Marco Melandri or Alex de Angelis fans. At least 54.996 onlookers were visible with the figure 46. Groups of people with disperse background gathered in order to follow one aim. To claxon Rossi towards the finishing line. Number 46 on T shirts, hats, berets, trousers, jumpers (despite the heat), shoes, flags, placards, signs, stickers, motorcycles, cars, edifices, petrol stations, gardens, tents, simply everywhere there seems to exist only one number.

Number 99 is scarcely visible and mostly on the T shirts of some girl who might be infatuated with Jorge. This very girl appears like a technical foreign body among all the foolish comic yellow. Otherwise, nobody mentions Jorge and he is ignored. Like an oncoming hurricane which tomorrow is bound to destroy the whole area. However, today this menace has not overcome the city walls, and as long it does not occur, nobody talks about it. Everything is still in order.

Rossi`s fans sense the oncoming problems with Jorge. He, as a person, is not comprehensible for them, opaque and above all, not foreseeable. He is not a Biaggi who could be turned frustrated. He is not a Gibernau who could be bent. Neither a Hayden who needs a huge bike, uncontrollable by no one, and above all, he is not a Pedrosa who maintains himself in the background. Jorge is probably comparable with Stoner as a rival. However, Jorge shows a major ego than Stoner. That is what Rossi`s fans sense. That is the big miracle that accompanies Jorge.

Although Rossi won free and though he showed his habitual grace on the podium, the ambience was not that relaxed as it should have been. Not as satisfied as usually the spectators left the grandstands after the race frowning and looking at the oncoming race at Estoril where Jorge Lorenzo won his 1st MotoGP last season.




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