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Meine Liebe zum Detail ist oft auch mein Verhängnis. es gibt Bilder oder Grafiken an denen ich Stunden- oder Tagelang arbeite. Diese sind eigentlich keine guten Bilder. Keine wo man auf den ersten Blick sagt, ja da stimmt alles zusammen. Genau aus diesem Grund arbeite ich so lange ich an ihnen. Es ist oft ein, von ganz fürchterlicher Komposition auf eine 99%ig gutes Bild hinarbeiten. Deswegen fehlt machen Bildern die Schlüssigkeit und die Komplettheit die man sonst in unserer, ja beinahe perfekt gewordenen Werbewelt, gewohnt ist. Das ist aber nicht aus dem Grund weil ich kein guter Arrangeur bin sondern viel mehr aus dem Gedanken des hässlichen durch Evolution etwas Schönes zu machen. Speziell bei meinen Bildern ist oft ein offensichtlich geschmackloser Start eine gute Basis für diese Technik. Natürlich wird mir vorgeworfen das es ja eigentlich Zeitverschwendung ist solche Dinge zu erarbeiten wo man ja auch was von vorne herein richtiges machen könnte. Das ist aus einem bestimmten Punkt einfach falsch. Ich weigere mich einem Perfektionismus nachzueifern der eine möglichst glatte Oberfläche zulässt. Es gibt keine 100%. Sondern alles ist aus schleim, Eingeweiden und furchen geboren und wurde erst im Laufe der Evolution zu Schönheit, Pracht und Vollkommenheit. Nichts aus unserer Natur war von Anfang an schön und komplett und nichts ist es bis heute, solange eine Evolution stattfindet. Nur der Mensch probiert den Perfektionismus zu kultivieren. Es ist uns angenehm wenn etwas perfekt ist, man muss dann nicht mehr darüber nachdenken. Rein optisch gesehen ist es dadurch aber uninteressant.
Können Sie mir sagen welche Bilder retuschiert sind und welche nicht? Welche Models dünner gemacht
wurden und welche nicht? Welches Auto am Computer ein wenig interessanter gemacht wurde oder nicht? Ich bin mir ziemlich sicher
das Sie es nicht können. Selbst ich, der sich täglich mit solchen Dingen beschäftigt kann nicht immer sagen was roh oder was
verändert wurde. Das Problem gestaltet sich komplexer als hier beschrieben. Es ist natürlich immer eine Frage der Interpretation
was überhaupt eine Veränderung ist. Dies ist jedoch ein eigenes Kapitel und soll vielleicht mal später behandelt werden.
Worauf ich hinaus will ist simpel. Ich frage ganz offen. Was unterscheidet eine Person die eine Brot so perfekt retuschiert
das Sie sofort hineinbeißen wollen von einer Person die ein Brot perfekt retuschiert das Sie hineinbeißen wollen? Wissen Sie es?
Hier ist die Antwort. Die eine Person nennen wir sie X ist ein einfacher Retuschierer in einem Lithographie-Büro und die andere
Person, Mister Y ist ein Künstler höchsten könnens. So und wo ist jetzt der Unterschied? Der eine verdient pro Jahr 20.000 Euro
und der andere verdient 20.000 Euro. X bekommt den Auftrag aus einem Konglomerat von Personen die eine Werbeidee verfolgen. Sie
brauchen das perfekte Brot um es in ein Layout zu integrieren und irgendein Logo draufzukleben. Sie rechnen mit Perfektion und
verlangen diese sogar. Sie haben auch ein Recht auf das
weil es technisch möglich ist. Bitte die linke Brotkruste ein wenig heller, bitte die Brösel vorne rechts ein wenig heller und
weniger. Wir wollen ja nicht das es alt aussieht. Was tut Y? Er tut genau das Selbe aber als Einzelperson. Er entscheidet das die
Brotkruste links vorne ein wenig heller sein muss. Und was ist der Lohn dafür? Keiner! Und wieso? Weil wir alle an Perfektion
gewohnt sind.
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Weil sie tagtäglich an uns vorbeistreicht. Weil jede Plakatwerbung die Sie heute in der früh auf dem Weg in die
Arbeit gesehen haben in seiner Weise perfekt ist. Selbst die vorsätzlich billig gemachten Prospekte irgendwelcher Diskontmärkte
sind mittlerweile von Werbefachleuten in die Perfektion billig gemacht worden. Ein Diskontmarkt darf nicht teuer aussehen, er
muss bis in die Perfektion billig gemacht werden und gleichzeitig dürfen seine Produkte aber nicht minderwertig aussehen. Das
ist Strategie die perfekt umgesetzt wird. Wir werden tagtäglich mit Perfektion überhäuft und wundern uns danach wenn wir im
Museum stehen warum uns kein moderner Maler mit seiner Arbeit überzeugt. Genau aus diesem Grund. Weil es kaum qualitativ
schlechte Werbung mehr gibt, dafür aber viel qualitativ schlechte Kunst.
Deswegen bewegt sich zum Beispiel auch die diesjährige Biennale in einer reinem Konzeptblase von
der, traue ich mich hier zu behaupten, nicht mal mehr die Künstler selbst wissen was sie eigentlich damit tun wollen. Es bleibt
nichts anderes übrig außer einen kleinen Brocken zu werfen der nichts anderes als eine Perspektive gibt. Ein Gefühl zu geben um
mit dem Thema warm zu werden. Ich habe die Biennale im Schnelldurchlauf besucht. Ich habe keinen Audiokommentar angehört und nur
wenige Beschreibungen gelesen. Und mir hat das alles einfach nichts gesagt. Nachher war ich enttäuscht. Es war als ob ich
persönlich betrogen wurde. Als ob man mir was vorgegaukelt hätte. Später habe ich verstanden. Es gibt die Kunst wie sie
Michaelangelo betrieb heute nicht mehr. Keine Kirche der Welt beauftragt heute noch eine einzelne Person damit zehn Jahre
lang eine Decke zu bemalen. Niemand hat mehr die Zeit sich so etwas anzusehen oder es zu würdigen, gescheige denn davon
beindruckt zu sein. Es reicht vollkommen
schnell mit weiß darüber zu malen oder ein paar rostige Nägel hineinzuschlagen. Soll sich doch jeder selbst draus was
zusammenreimen, Hauptsache wir haben die sechzehn Euro der Person kassiert die jetzt dumm im Raum steht und irgendwas
interpretiert was nicht nie hier war. Es bleibt einem ja auch nicht weil, draußen in der Welt, in der Sie und ich leben alles
schon auf einem einfachen Wegwerfplakat gezeigt wird.
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